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NEIN zur 10-Millionen-Schweiz: Die Schweiz braucht Lösungen, keine Scheinkontrolle

4. Juni 2026 durch
Laetitia Salamin

Das aussergewöhnliche Engagement zahlreicher Walliser Unternehmerinnen und Unternehmer zeigt, wie gross die Tragweite dieser Abstimmung ist. Hinter der Initiative «Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern» sehen sie eine Scheinkontrolle, die keines der grundlegenden Probleme löst und unseren Wohlstand langfristig gefährden könnte.

Die Sorgen, welche die Initiative «Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern» antreiben, sind nachvollziehbar. Der Druck auf den Wohnungsmarkt, überlastete Verkehrsachsen und der steigende Bedarf an Infrastruktur sind Realitäten, die niemand bestreitet.

Doch diese Initiative beruht auf einer gefährlichen Illusion: der Vorstellung, dass sich komplexe Herausforderungen durch die Festlegung einer Obergrenze in der Verfassung lösen lassen.

Denn keines der Probleme, mit denen die Schweiz heute konfrontiert ist, lässt sich auf eine einzelne Zahl reduzieren. Der Wohnungsmangel ist nicht die Folge fehlender Bevölkerungsobergrenzen. Er ist vor allem das Resultat langwieriger Verfahren, administrativer Hürden und von Projekten, die nur schleppend vorankommen. Verkehrsprobleme entstehen nicht durch eine willkürlich festgelegte Einwohnerzahl, sondern durch Verzögerungen beim Ausbau notwendiger Infrastrukturen. Auch die energiepolitischen Herausforderungen werden nicht verschwinden, wenn das Bevölkerungswachstum begrenzt wird.

Die Initiative verspricht mehr Kontrolle. In Wirklichkeit droht sie jedoch, einem bereits stark regulierten System zusätzliche Einschränkungen aufzuerlegen.

Um eine Bevölkerungsobergrenze durchzusetzen, müsste entschieden werden, wer künftig noch in der Schweiz arbeiten darf, welche Unternehmen die benötigten Fachkräfte rekrutieren können und welche Branchen Zugang zu den Kompetenzen erhalten, auf die sie angewiesen sind. Jede Ausnahme würde neue Regeln erfordern. Jede Regel neue Kontrollen. Und jede Kontrolle neue administrative Verfahren.

Schon heute leidet die Schweiz unter einer Bürokratie, die den Wohnungsbau verlangsamt, Investitionen verzögert und die Umsetzung wichtiger Projekte erschwert. Statt diese Blockaden zu beseitigen, würde die Initiative zusätzliche Verwaltung schaffen – dort, wo wir mehr Effizienz brauchen.

Genau deshalb engagieren sich heute Unternehmerinnen und Unternehmer aus unterschiedlichsten Branchen der Walliser Wirtschaft so geschlossen gegen diese Vorlage. Wenn so viele Führungspersönlichkeiten öffentlich Stellung beziehen, geschieht das weder aus Gewohnheit noch aus ideologischen Gründen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, dass Wohlstand nicht verordnet werden kann und dass strukturelle Probleme niemals durch die Benennung eines einzigen Schuldigen gelöst werden.

Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Schweiz beruht darauf, Herausforderungen mit Innovation, Investitionen und Anpassungsfähigkeit zu begegnen. Jede Generation musste Wohnungen bauen, Infrastrukturen entwickeln, Fachkräfte ausbilden und die Wirtschaft modernisieren. Unsere Generation bildet keine Ausnahme.

Am 14. Juni stehen zwei Ansätze zur Wahl. Der eine setzt auf die Hoffnung, dass eine Bevölkerungsobergrenze unsere Probleme löst. Der andere geht die tatsächlichen Ursachen an und schafft die Voraussetzungen für die Lösungen, die unser Land braucht.​

Der erste Weg ist die Illusion von Kontrolle. Der zweite ist Verantwortung.
Für unsere Arbeitsplätze, unseren Wohlstand und unsere Fähigkeit, die Zukunft zu gestalten, sagen wir Nein zur Initiative «Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern».

Wake Up Switzerland
von Vincent Riesen, Direktor der IHK Wallis